

Der größte Vorteil des Pfälzerwaldes wurde uns erst bewusst, als wir ihn wieder verließen.
Drei Tage lang hatte er uns begleitet – zunächst ganz selbstverständlich. Mal als schattiger Begleiter entlang der Wieslauter, mal als Kulisse gewaltiger Buntsandsteinfelsen, mal als scheinbar endloser Höhenwald. Erst als wir am dritten Tag hinter der Burg Landeck aus den Weinbergen Richtung Rheinebene rollten, verstanden wir, was uns plötzlich fehlte: Schatten. Die Julisonne brannte erbarmungslos auf die staubigen Wege, viele Felder waren bereits vertrocknet und die Trinkflaschen schneller leer als gewohnt. Auf einmal wussten wir die beiden ersten Tage im Wald noch mehr zu schätzen.
Dabei hatte die Reise ganz unspektakulär begonnen. Nach individueller Bahnanreise trafen sich fünf Radfahrer in Wörth und folgten zunächst der Lauter von ihrer Mündung in den Rhein bis nach Wissembourg. Der schattige Bienwald am Morgen ließ die sommerliche Hitze kaum erahnen. Nach einer kleinen Stärkung mit elsässischen Spezialitäten führte uns die Wieslauter immer tiefer in den Pfälzerwald. Mit jedem Kilometer wurden die Täler enger und die bewaldeten Hänge höher, bis schließlich die ersten Buntsandsteinfelsen des Dahner Felsenlandes auftauchten. Am Abend ließen wir die Räder stehen und erkundeten bei einer kleinen Wanderung die Felsformationen „Braut und Bräutigam“, die Felsarena und den Schwalbenfelsen. Auch bei einer Radreise darf man gelegentlich multimodal unterwegs sein.
Am zweiten Tag zeigte der Pfälzerwald seinen sportlichen Charakter. Die Wieslauter blieb im Tal zurück, während sich die Wege langsam, aber unaufhörlich bergauf schlängelten. Aus zunächst harmlosen ein bis zwei Prozent Steigung wurden vier, später sechs Prozent. Nach Hinterweidenthal begann der längste Abschnitt ohne Einkehrmöglichkeit und Trinkwasser – und gleichzeitig der reizvollste Teil der Strecke. Das Ziel war die Burgruine Gräfenstein, deren letzte steile Rampe selbst mit dem Gravelbike nur schiebend zu bewältigen war. Wer dort glaubte, den höchsten Punkt der Etappe erreicht zu haben, wurde eines Besseren belehrt. Der Pfälzerwald gibt seine Höhe eben nicht auf einen Schlag preis. Erst nach weiteren Kilometern über den langgezogenen Rücken des Winschertbergs erreichten wir den höchsten Punkt des Tages. Die Aussicht vom Luitpoldturm und die anschließende lange Abfahrt über Hermersbergerhof ins Queichtal entschädigten jedoch für jeden zuvor erkämpften Höhenmeter.
Auch der dritte Tag begann mit einem Anstieg. Trifels, Madenburg und Landeck reihten sich wie Aussichtsbalkone am Rand des Pfälzerwaldes aneinander. Jede Burg bot ihren eigenen Blick auf die Landschaft: einmal tief hinein in die bewaldeten Täler, dann wieder weit hinaus über die Rheinebene. Dazwischen warteten steinige Waldwege, kräftige Anstiege und immer wieder schattige Passagen unter dichtem Blätterdach. Erst hinter der Burg Landeck änderte sich der Charakter der Landschaft schlagartig. Die Wälder wichen den Weinbergen der Südpfalz, die Ausblicke wurden weiter – und die Sonne zeigte, warum der Wald in den vergangenen beiden Tagen weit mehr gewesen war als eine schöne Kulisse.
Was von diesen drei Tagen bleibt, sind deshalb nicht nur rund 170 Kilometer und zahlreiche Höhenmeter. Es bleiben beeindruckende Burgen und markante Felsformationen, gemeinsame Abendessen mit elsässischer, italienischer und Pfälzer Küche, eine spontane Abendwanderung sowie viele Gespräche unterwegs. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an eine harmonische Gruppe, die bei bestem Wetter gemeinsam durch Täler und über Höhen des Pfälzerwaldes unterwegs war. Die Rückmeldungen der Teilnehmer zeigten, dass genau diese Mischung aus abwechslungsreicher Landschaft, gemeinschaftlichem Erleben und sorgfältiger Organisation den besonderen Reiz der Reise ausmachte.
Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Pfälzerwaldes: Sie drängt sich nicht auf. Man bemerkt sie erst, wenn man den Pfälzerwald wieder hinter sich gelassen hat.




